Moin,
es ist etwa 40 Jahre her und ich fuhr mit meinem ersten "richtigen" Motorrad nachts auf einer Landstraße im Dezember.
Es war ca. 22 Uhr, ziemlich kalt aber trocken. Ich war frisch verliebt und die neue Freundin saß hinten drauf. Wir wollten in der nächsten Stadt einen Cappuccino trinken.
Auf der völlig unbeleuchteten Landstraße sah ich, wie ca. 250m vor mir ein Auto auf die gleiche Straße in die gleiche Richtung einbog. Ich fuhr etwa 80 km/h schnell und näherte mich sehr schnell dem Auto. Als der Abstand noch etwa 50m betrug beschleunigte ich leicht, setzte ich den Blinker links und wechselte auf die Gegenspur. Weit und breit war kein anderes Fahrzeug in Sicht.
Dann kam der Moment wie Du, Wayne, ihn geschildert hattest: Das Fahrzeug vor mir auf der rechten Spur setzte den Blinker nach links und bog unmittelbar danach ab. Ich hatte nicht die geringste Chance, keine Zeit mehr zu hupen oder auszuweichen oder zu bremsen.
Wir waren Zivi bzw. FSJ'lerin und hatten wenig Geld, und damals war die Auswahl an Motorradschutzbekleidung noch sehr dürftig und sehr teuer (wir hatten keine).
Ich überstand den Aufprall leicht verletzt, allerdings mit Prellungen am gesamten Körper. Ich konnte zwei oder drei Nächte vor Schmerzen kaum schlafen weil ich keine geeignete Position fand.
Meine Freundin hatte weniger Glück. Sie hatte einen offenen Unterschenkelbruch, das Schlüsselbein war durch und einen Tag nach dem Unfall - weil nicht mehr ansprechbar - wurde sie mit Verdacht auf Hirnblutung in eine Spezialklinik gebracht.
Das Ganze entpuppte sich zum Glück bald als Knochenmarksembolie, sie wurde wieder vollständig gesund - aber das dauerte.
Ich stand damals noch am Anfang meiner Moppedkarriere und gab das Fahren erst mal auf, während ich darüber nachdachte, ob ich überhaupt noch mal auf's Mopped steigen sollte.
Erst ein Jahr später kaufte ich mir wieder ein Motorrad.
Eine Erkenntnis habe ich daraus gewonnen - es gibt den Moment, an dem kannst Du nichts mehr machen - vielleicht noch aufstehen und sich auf die Fußrasten stellen, damit man nicht frontal im Auto landet, wo aber bremsen oder Ausweichen nichts mehr nutzen. Es wird einem klar noch bevor es kracht.
So richtig vorbereiten kann man sich darauf eigentlich nicht.
Man kann aber regelmäßig Motorradtrainings absolvieren um sein eigenes Können und die Beherrschung des Moppeds zu optimieren, damit man im Ernstfall optimal gewappnet ist.