Für und wider Elektro-Kutsche

  • Ja, es ärgert mich auch, dass Tesla seine Ladeinfrastruktur exklusiv für Teslas zur Verfügung stellt. Oder halt, ärgern ist das falsche Wort. Ich finde es schade.....ja, das trifft es besser. Denn ich habe durchaus Verständnis für Teslas Politik.

    Zunächst mal hat Tesla meines Wissens keinerlei Förderung bezogen. Letztlich kommt das Geld von deren Kunden. Gehen wir mal davon aus, dass ein nicht unerheblicher Teil des Kaufpreises ihres Autos für die Ladeinfratsruktur war. Das relativiert sicher auch den hohen Kaufpreis der Fahrzeuge, die als "freie Stromer" vermutlich deutlich günstiger sein könnten, Der Tesla-Fahrer erkauft sich also mit dem hohen Kaufpreis gleichzeitig ein"Refugium", das ihm vorbehalten ist, das von Anfang an richtig Bums hatte, das super gewartet ist und so gut wie immer funktioniert, das selten Wartezeiten erfordert, das schon auf die Distanz mit den Fahrzeugen kiommuniziert, das so dicht ist, dass man sich auf der Langstrecke komplett aus den hauseigenen Superchargern bedienen kann.


    Seinerzeit wurden wohl andere Hersteller gefragt, ob sie sich mit einbringen wollen. Das haben diese abgelehnt. Die Begründung war wohl: zu teuer! Keine Ahnung, was die abdrücken sollten. Vielleicht war es wirklich zu teuer. Aber man muss auch sehen, dass dieses Angebot zu einer Zeit kam, als (insbesondere) die Deutsche Autoindustrie meinte, die E-Autos ausbremsen zu können. Und hey, das war wohl sogar noch, bevor der Dieselskandal über die Deutsche Autoindustrie hereinbrach. Da saß die Herrschaften noch auf einem recht hohen Ross. Man hat sogar recht offensiv und mit zunehmendem Druck gegen die E-Autos gekämpft und wollte mit allen Mitteln den Diesel hochhalten. Lediglich Alibi-Autos wurden dem Kunden präsentiert, die zum Teil nicht mal wirklich käuflich waren. Da hätte es wohl kaum gepasst, in eine hochwertige Ladeinfrstruktur zu investieren. Vermutlich wäre man auch auf Kosten nicht eingegangen, die im Grunde normal oder gar wirtschaftlich gewesen wären. Und schon gar nicht unter Federführung eines amerikanischen Startups, dem man sich haushoch überlegen sah. Und dann dürfte man auf dem Gedanken nachgehangen haben, dass Tesla wohl scheitern würde, wenn die alles allein stemmen müssten. Ausbluten lassen, beerdigen......und schon hätte die kleine heile Verbrennerwelt wieder in Ordnung sein können. Bis vor einem Jahr wurde ja auch noch ständig kommuniziert, Tesla sei spätestens in einem 3/4 Jahr pleite. Im Grunde werden unsere Autohersteller nur drauf gewartet haben, dass es endlich passiert. Und da hätten sie selbst mit einer Investition in die Ladeinfrastruktur aushelfen sollen. Never ever!


    Tesla war aber offensichtlich nicht auf Finanzspritzen aus dieser Ecke angewiesen. Das Geld kam von woanders und hat offensichtlich gereicht. Gleichzeitig hat Tesla die erzwungene Exklusivität seiner Supercharger zu einem Alleinstellungsmerkmal machen können. Und sie haben ihr Netz munter erweitert und tun es noch. Die Botschaft an den potenziellen Tesla-Kunden: Du bezahlst viel Geld füt ein Auto, bekommst HiTech bis zum Anschlag und wirst so gut wie nie Ladeprobleme haben. Dafür haben dann offensichtlich genügend Leute über etwas grobe Spaltmaße und andere qualitative Mankos hinweggesehen, die selbst bei halb so teuren Autos deutscher Herkunft als NoGo angesehen werden.

    Und während hier mehr oder weniger offen kommuniziert wurde, dass man auf die unmittelbar bevorstehende Pleite von Tesla warte, haben die Amis einfach weiter gemacht und die Gelder, die Musk beschafft hat, nicht einfach vebrannt, sondern in den Wert des Unternehmens gesteckt. Unter anderem eben auch in ihr Supercharger-Netzwerk, das für einen Großteil der Kunden einer der wesentlichsten Kaufgründe sein dürfte.

    Das aufgeben? Und dann stehen plötzlich Gott und die Welt an deren Steckern und Teslas müssen warten? Ich denke, der Schuss würde schnell nach hinten losgehen.


    Der Tesla-Fahrer hat sich seine Exklusivität der Ladeinfrastruktur mit dem hohen Kaufpreis für's Auto erkauft.


    Und nun ist parallel dazu ein anderes Netzwerk entstanden bzw. ist gerade mal zur Hälfte ausgebaut und wächst noch. Ionity! Oh Jubel! Für alle offen.

    Bezahlt von den deutschen Auto-Herstellern plus Ford plus Hyundai (als Späteinsteiger). Die schotten sich nun auch ab - als Gruppe! Als Gruppe, die einen Haufen investiert hat und deren Ladeparks dem Tesla-Pendant fast ebenbürtig sind. Und die Schranke ist eben der Preis. Doch ich denke, man kann das durchaus verstehen. Dass Ionity offen ist für Beitritte anderer Marken, sieht man an Hyundai, die relativ spät aufgesprungen sind.

    Auch wenn Ionity Fördermittel bekommen hat, so ist die Investition doch nicht unerheblich. Jetzt jeden mit einem Stromer eines "Fremdfabrikats" teilhaben zu lassen, ließe bei den Beteiligten die Frage aufkommen, warum man denn überhaupt investiert habe. Eine vollständige Abschottung geht aber nicht, weil man ja öffentliche Gelder als Förderung angenommen hat. Wenn nun Opel, Peugeot, Renault, Nissan, Honda.......ihre Autos auf den Markt drücken und auf eine fertige Luxus-Ladeinfrastruktur zu Minipreisen zurückgreifen können, wären die alle fein raus. Also setzt man besagte Preisschranke und fertig. Ich denke, der Kreis der an Ionity Beteiligten wird größer werden. Keiner, der hier in DE oder gar Europa künftig (elektrische) Autos absetzen will, wird umhin kommen, da mitzumachen. Wäre ja schon fast lustig, wenn Tesla bei Ionity einsteigen würde....... nur, um seinen Kunden noch mehr Flexibilität zu geben. Einen CCS-Anschluss gibt es ja mittlerweile bei Tesla. Aktuell jedenfalls müsste Tesla-Fahrer ab Februar 79 ct./kWh an Ionity abdrücken. Der wird sich hüten. Und seien wir ehrlich: Es ärgert einen schon, wenn ein Tesla, der auf ein eigenes hochkomfortables Netzwerk zurückgreifen könnte, den letzten CCS-Lader an der Raststätte belegt (weil's vielleicht kostenlos ist oder der Fahrer mit Maingau für 25 ct./kWh tanken kann oder er aktuell bei Ionity seinen Riesenakku für pauschal 8 Euro befüllt bekommt). Ernsthaft, ich war vor ein paar Tagen bei uns an der A7-Raststätte Aalbek. Nein ich musste nicht laden, wollte nur jemanden abholen, der dort arbeitet. Hab' aber rüber geschaut: Alle 4 Stalls belegt, 2 davon von mit Model 3 (immerhin stand niemand schlange). Logisch, ist ja preislich noch attraktiver als der Supercharger in Busdorf bei Schleswig.


    Man könnte vielleicht sagen, dass man auf dem Wege ist, 2 Paralleluniversen zu schaffen. Tesla und die anderen. Und wer weiß, vielleicht, wenn sich beide irgendwann einigermaßen ebenbürtig sind, ob sich die Grenze nicht irgendwann doch aufweicht. Aber man wird es ganz sicher auf Dauer nicht dulden, dass Marken am Markt erscheinen, die nur profitieren, aber nicht investieren.

  • Hallo Michael,

    dein letzter Satz erklärt eigentlich alles. Du verstehst vieles nicht worüber hier diskutiert wird. Prof Sinn hat nicht nur seine Meinung und Thesen kund getan,er hat auch Prozesse,wie sie in unserem Land ablaufen, erklärt. Wie den Strommarkt mit seinen Problemen. Pipus und Hermi haben sich nochmals bemüht.

    In Bezug auf "Mainstream" hast du nicht richtig gelesen,oder falsch verstanden. Nicht allen "Fachleuten" scheint klar zu sein,dass die Medaille zwei Seiten hat. Es geht hier bei niemanden(ausser bei dir) um Recht oder Wahrheit,sondern um machbar und wenn ja, zu welchen Preis.

    Vor einigen Jahren (genaues Datum habe ich nicht parat) haben Deutsche Großkonzerne Schwedische Kraftwerke(Kohle) wieder auf vordermann gebracht. Hintergrund war der Ausstieg aus der Kernenergie. Darauf folgte der Ausstieg vom Ausstieg. CO2-Minimierung geht in Schweden nur mit Kernkraft.

    Könnte man den Norwegern nicht Doppelmoral vorwerfen? Sie möchten gerne eine saubere Umwelt,aber auch gerne gutes Geld mit dem Öl verdienen.